Der Wendepunkt oder eine durch Medien, Mode und Kommerz aufgepumpte Szene lässt sich das Dach auf den Kopf fallen.
Im Jahre 2000 raufen sich Reste von ReinfunkAnation zusammen, um an die glorreichen Jams von `94 und `96 anzuknüpfen und planen unter dem Motto `TransEuroHipHopConnection` den Roskopeuia-Jam 3. Diese Veranstaltung wurde bewusst international mit Beteiligung aus Frankreich, Holland, Belgien, Dänemark, Schweiz, Polen und Italien ausgerichtet, denn im Radio scheinen die Dj`s außer deutschsprachigem Mainstream-Rap gar nichts anderes mehr zu kennen. Im Repertoire jedes kommerziellen Veranstalters in Bielefeld und der Region gehörten deutschsprachige von MTV und Viva gehypte Rapkonzerte in den letzten Jahren zum Standardprogramm. Der Ausverkauf ist auf dem Höhepunkt angelangt. Womit aber die AJZ- Veranstalter nicht gerechnet hatten. Die Szene, soweit man noch von so etwas sprechen konnte, hatte sich auch geändert. Es gab kein Interesse an Internationalismus und Qualität. Die Resonanz an diesem Wochende war erschreckend gering. Doch es kam noch viel schlimmer für die immer noch ehrenamtlichen Aktivistinnen. Es wurde offensichtlich, dass politische und kulturelle Wurzeln, wie auch die Kunst nicht mehr im Mittelpunkt der Kommunikation standen. Der Umgang hatte sich geändert. Was sich vor Jahren noch als eingeschworene und solidarische Szene am Rande der Gesellschaft begriff, funktionierte nun fast nur noch nach den Regeln des Marktes. Jeder konkurrierte nur noch mit dem Nächsten. Der Battle-Gedanke hatte fast alles andere verdrängt. Dementsprechend hatte sich der Ton des Publikums verändert. Sexistische, frauenfeindliche und schwulenfeindliche Äußerungen genauso wie übermäßiger Drogenmissbrauch (vor allem Alkohol-) sind nun an der Tagesordnung. Konflikte löst man jetzt auch gerne mal mit Gewalt und dem Recht des Stärkeren. Der HipHop-Grundgedanke schien verlorengegangen. Künstler, die auf der Bühne etwas anderes propagieren, werden von Teilen des Publikums angepöbelt und den Höhepunkt bilden Graffitischmierer, die nicht mehr anders zu provozieren wissen, als Wände mit Hakenkreuzen zu verschönern.
Danach ist der Frust groß und ReinfunkAnation zieht Konsequenzen. Die Gruppe am Ende ihrer Kräfte löst sich aber nicht auf, sondern distanziert sich komplett von der HipHopSzene und ihrem Habitus. In Zukunft sollen keine HipHop-Veranstaltungen mehr im AJZ stattfinden und man ist auch bereit, Initiativen anderer in diese Richtung zu verhindern. Der Inhalt der Diskussionen wird unter der Überschrift: "Wir ziehen zurück!" veröffentlicht.

Die Jahre 2000-2003 - oder es geht auch ohne HipHop-Szene.

In den folgenden Jahren kommt es zu Umstrukturierungen personeller und inhaltlicher Art. Der Anspruch der Aktivitäten wurde auf ein realistisches Maß zurückgeschraubt. Auch werden zum Teil neue Betätigungsfelder gesucht. So wird eine Ortsgruppe des Bundes deutscher Pfadfinder gegründet (BDP) und man geht erst mal abseits des Großstadtterrors mit Freunden aus Polen, Berlin und Frankfurt auf traditionelle Wanderfahrt. Einzelpersonen engagieren sich in der etablierten und professionellen Jugendarbeit und gründen Projekte wie die HipHopSchool Kreis Herford und das HipHop-Büro Bielefeld. Im AJZ wird die mittlerweile fast schon wieder legendäre Partyreihe Carribien Club installiert. Des Weiteren initiiert man Parties wie "the funky Soularium" oder Events mit dem ironischen Motto "Konsumparty". Auch beteiligen sich RFN-Leute wieder an einer zweiwöchentlichen funky-Kneipe mit wechselnden Mottos. Als Anfang 2002 die Neonazis zu Tausenden in Bielefeld marschieren wollen, will auch ReinfunkAnation dies nicht tatenlos hinnehmen. Als am Rande die desaströsen Verhältnisse im Antifabereich wahrgenommen werden, ergreift man selber die Initiative und mobilisiert kurzfristig mit Mundpropaganda zu einer eigenen improvisierten Infoveranstaltung für die Gegenmobilisierung und wundert sich doch ein bisschen, dass dort genau soviel oder sogar mehr Interesse besteht, als auf den offiziellen Mobilisierungsveranstaltungen.
Interessant ist noch, dass es mittlerweile in Bielefeld Breakdance-, Graffiti- und Rapsubszenen, aber keine richtigen HipHop-Veranstaltungen und keine zusammenhängende HipHop-Szene mehr gibt. Parallel haben laut Polizeistatistiken, in der letzten Zeit Drogenmissbrauch, Gewalt und Anzahl von Sachbeschädigungen im jugendkulturellen Bereich massiv zugenommen.


www.reinfunkanation.de