Vorgeschichte und die Gründung 1993 - oder von der Idee zur Realität
Anfang der 90 er Jahre finden im AJZ auf Initiative kultur- und politikinteressierter Menschen die ersten HipHop-Parties unter Mottos wie: " What do you expect from life?" oder "Dance your ass off!" statt. Die Parties definierten sich als Solipartys für politische Prozesse, Initiativen in Cuba oder für das 1991 durch eine massive Repressionskampagne in Bedrängnis geratene Haus. Aus dieser Zeit sind noch einige schräge Situationen und Szenen im Gedächtnis. Zum Beispiel wie ein erstarrtes Publikum Hamburger HC-Rapper aus dem Umfeld der Homeboys-Hamburg und der Hafenstraße in St.Pauli fassungslos anstarrt, als wären sie von einem anderen Stern, oder wie eine Gruppe verfilzter und junger Freaks, hauptsächlich Anfang 20, sich in Bonn dem offiziellen cubanischen Botschafter gegenübersieht und sich in der Mehrheit nicht ganz im Klaren ist, was sie hier gerade machen und wollen, oder wie einer der ersten Aktivposten, der bis dahin reinen Partybewegung, am Tag der offenenTür das AJZ mit hunderten Fahnen des palästinensischen Volkes ausschmückt.
Paris, Ice T, Public Enemy und NWA waren die Popstars einer Bewegung, die man zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich verstand. Doch die Power und die Wut, die in deren neuartiger Musik getragen wurde, faszinierte ebenso, wie sie zum Mittanzen anregte. Nach einer ca. eineinhalbjährigen Sendepause wurde1992 die erste richtige HipHop-Combo ins AJZ eingeladen. Das war Anarchist Academy.
Dann fand im damals besetzten und vorher dreißig Jahre leer stehenden Bunker an der Stadtheiderstraße die erste skurile HipHop-Bunkerparty statt. Hinter zwei Meter dicken Mauern versuchten radikale und abenteuerlustige Jugendliche eine neue Kultur zu leben. Während einzelne die Betonwände ungeschickt mit Sprühlack verzierten, und andere mit vermummten Gesichtern Motorradmasken und sogenannte Space Cakes an den Mann und die Frau zu bringen versuchten, breitete sich unter wummernden Bässen Massen von Nebel in allen Etagen aus bis man die Hand vor dem Gesicht nicht mehr sehen konnte. Die Sicherheitsmacht konnte natürlich diesem Treiben nicht mehrere Monate tatenlos zusehen und so räumten sie den Bunker, während die Besetzer zu angeblichen Verhandlungen ins Rathaus geladen wurden. Dass dies die nun ehemaligen Besetzer nicht auf sich beruhen lassen konnten, kann man auch verstehen, und so zog ein wohl organisierter Mob, den die Stadt so noch nie gesehen hatte, zielgerichtet durch die Stadt, um sich bei den Auftraggebern und den mit der Durchführung beauftragten Institutionen zu bedanken. Etwa der Hälfte der zur Verfügung stehenden Einsatzkräfte wurde die Technik außer Betrieb gesetzt, während es auf Seiten der Demonstranten, die sich nach eineinhalb Stunden in das AJZ zurückzogen, zu keinerlei Verlusten und Festnahmen kam. Der Bunker war weg, aber wenigstens hatte man nicht tatenlos zugesehen. Hinterher wurden diese Geschichte zu einem überregionalen Autonomentreffen hochstilisiert.
Monate später ertönte das erste Mal Rapmusik als Soundtrack auf einer Demo.
Ca. Ende 1993 fanden sich zwei junge Menschen, die in einem Uniseminar ihr Interesse an der HipHop-Bewegung outeten, in dem Keller des Antifareferats der Fachhochschule zusammen, um ein neues so noch nicht dagewesenen Projekt zu gründen. Sie wollten selbstbestimmt, selbstverwaltet und unkommerziell eine neue kulturelle Entwicklungen vorantreiben und die Vernetzung einer noch jungen Szene fördern. Dies sollte mit antifaschistischen, antirassistischen, antisexistischen und systemkritischen Inhalten verbunden werden. Es sollte keine neue Gruppe gegründet werden. Man wollte nur an dem Kern einer neuen Bewegung, die man von jetzt an ReinfunkAnation nannte, mitwirken.


www.reinfunkanation.de